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Deutsche in Qingdao

na, wenn das nix is...
na, wenn das nix is...

Nach etlichen Stadtspaziergängen muss ich nun auch endlich mal ein paar Eindrücke davon loswerden, was die Vorfahren so hinterlassen haben. Es sind auch nichtmal nur einzelne Viertel oder gar nur Häuser im "deutschen Stil" - es zieht sich schon durch das gesamte Stadtbild. Auch den neueren Häusern erkennt man an, dass sich sie sich an den vorherrschenden alten Stil anpassen sollen. Irgendwie hübsch - und gar nicht deutsch, es ist eher was schick Eigenes draus geworden!

Es fing wohl wirklich vor etwas über hundert Jahren damit an, dass nen paar Deutsche hier emsig Häuschen bauten und Strom verlegten. Ich bin mir sicher, dass beides auch teilweise noch unverändert so besteht! Aber garantiert werden einige Chinesen entsetzt sein, wenn sie nach Deutschland kommen, und feststellen müssen, dass wir unsere Häuser hier nicht alle gelb anmalen. Darauf hat man sich hier allerdings geeinigt. Hübsche alte Villen sind gelb.

...und nicht nur die Villen, auch die Kirchen haben es zu sein! Das ist eine von zwei Exemplaren. Ich denke, das hier ist die Evangelische. Wenn das Schild oben rechts nicht wäre, ist es allerdings schon schwer, dieses Foto China zuzuordnen. Die meisten alten Häuser stehen übrigens in der Altstadt [klar...] - in der Nähe von Bahnhof und den meisten Einkaufstraßen, also im Südwesten der Stadt - auf einem Hügel. Bei Heimweh macht ein Spaziergang hier schon [vorübergehend] glücklich. Es ist dann aber doch ganz schnell klar, dass es nicht Deutschland ist. Immerhin kostet die Kirche Eintritt.

Zum Vergleich auch mal die Kattolsche Kirche in unmittelbarer Bahnhofsnähe. Um etwas kuhler zu sein, als die evangelische hat sie einfach mal zwei Türme?! Dafür hat die andere den zeitloseren Namen "neue Kirche"...Ausführlicher hab ich die Katholische ja bei den Panoramabildern gezeigt. Auch hier bleiben die umliegenden Häuser - gelb. Ein paar Villen gibt es allerdings, die mutigerweise auch in anderen Pastelltönen gestrichen sind und so dem Stadtteil etwas mehr Leben zusprechen!

Ein weiteres Schild, an dem Mann sich schonmal den Kopp stoßen könnte - der Hinweis auf ein Familien Restaurant. Dieses Schild ist kein Unikat - deutsche Hinweise auf ein Familienrestaurant hab ich nun schon häufiger entdeckt! Tatsächlich fängt man nach ein paar Monaten Zeichenraten an, sich wirklich über diese Kleinigkeiten zu freuen...."ooh - deutsch!"  Irgendwann geht das wohl auch wieder vorbei. Das Sättigungsgefühl kann man ja immer und überall erreichen!

Gegen Sonnenuntergang machen die altdeutschen Fassaden dann aber doch wieder etwas mehr Spaß! Kurz bevor die reizüberflutende Hyperbeleuchtung eingeschaltet wird, hat man in dieser Großstadt fast sowas wie Ruhe...irgendwie schön - und gruselhaft!

LiangYou Restaurant in der deutschen Straße
LiangYou Restaurant in der deutschen Straße

Hab ich reizüberflutend gesagt!? Wir waren noch nicht dort essen - aber haben uns dort Cola gekauft, und es sah wirklich lecker und schick dort aus, wird also nochmal ausprobiert!! Schön ist auch neben dem Restaurantname der Hinweis darauf, wo wir uns gerade befinden. In der deutschen Straße: GuanTao Lu.

Bei den folgenden Bildern musste ich mitunter auch schmunzeln...

Zwar ist es schick, wenn deutsche Straße hinter steht - aber ob es sich um ein BeiFang [chin] oder Beifang [deutsch] Hotel handelt, sollte schon geklärt werden. Wenn das Restaurant zum Hotel [gleiches Wort im chin. für Hotel und Restaurant] wirklich Beifang anbietet...naaa - lecker.

Sehr spannend ist auch der einmal im Monat stattfindende Stammtisch für deutschsprachige Flüchtlinge in einem Youth Hostel in der Innenstadt. Um die Stimmung etwas mehr anzuheizen, lief im Hintergrund - wie ja auch in Deutschland üblich - via Beamer ein Film. Na?! Wer hat´s erkannt?! Ja - unser Partyfilm hieß "Sophie Scholl". Tatsächlich soll am Vorabend noch der Untergang gezeigt worden sein - oder war es Schindler´s Liste?! China ist anders. Aber irgendwie liebenswert...

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Kommentare: 3
  • #1

    Bove (Montag, 25 April 2011 20:29)

    Da fällt einem nicht viel ein, bei uns wird sowas in der Schul-Zeit im Kino gezeigt um uns die schrecken der geschichte vor Augen zu führen und in China gehört es zur üblichen Unterhaltung ... wirklich liebenswert

    lg Bove

  • #2

    die Janne (Dienstag, 26 April 2011 17:41)

    Ich hab die Theorie, dass Moll und damit die Melancholie hier zum guten Ton gehören! In allen möglichen TV-Serien und Berichten läuft tieftheatralischtraurige Musik, dazu heulen die Leutz, was die Augen hergeben...es geht um Tod, Verrat und Verlust - und auch die Musik in den Restaurants läuft bei uns innem Kinofilm, um die Zuschauer dran zu erinnern, dass sie nun traurig werden müssen....sehr strange. Und ich denke, dass mit SophieScholl war nichtma böse gemeint!!!

  • #3

    Sina (Montag, 09 September 2013 09:14)

    Ein sehr interessanter Artikel. Klasse, dass man so die tatsächlichen Eindrücke näher wirken lassen.